Wasser kochen, Teebeutel rein – fertig! Teetrinkend stelle ich mir existenzielle Fragen über den Tee: Wie oft wird dieses Ritual am Tag weltweit wohl durchgeführt? Wie viele Teebeutel habe ich in meinem Leben schon benutzt? Gibt es wirklich Menschen, die ihren Teebeutel aufheben, um ihn ein zweites Mal zu benutzen? Vor allem frage ich mich aber wie immer eins: Wer hat’s erfunden?
Die Geschichte des Teebeutels beginnt mit einem großen Missverständnis. Thomas Sullivan, amerikanischer Teehändler, verschickte um die Jahrhundertwende seinen Tee aus Platzgründen in kleinen Seidenbeuteln. Seine Kunden, die den Tee probierten, tauchten den Tee samt Beutel ins Wasser, in der Annahme, Sullivan hätte diesen Beutel eben zu diesem Zwecke erfunden. Die Idee war keineswegs abwegig, denn Sullivans Teekunden sparten sich so das Abseihen und Umfüllen in eine zweite Teekanne.
Schnell wurde Sullivans Verfahren von anderen Teehändlern nachgeahmt. Dabei geriet der Teebeutel jedoch in Verruf, da Sullivans Nachahmer Abfall und Unkraut in die Beutel mischten, um Kosten zu sparen! Lange Zeit galt Tee in Teebeutel deswegen als minderwertig.
Der heutige Teebeutel wurde von Adolf Rambald erfunden, der bei der Dresdner Firma Teekanne arbeitete. Er entwickelte in einem kompliziertren Zweikammer-Verfahren eine Falttechnik, die ohne Klebemittel oder anderen Bindestoff auskam, sondern den Teebeutel mit einer Heftklammer zusammenhielt. In der Bundesrepublik sind vor allem Teebeutel mit Schnur verbreitet, in Großbritannien sind Teebeutel schnurlos und rund. Sie werden auf den Boden der Teetasse gelegt und anschließend mit dem Teelöffel herausgefischt.
Der wirkliche “Teek(ä)nner” benutzt jedoch weder Teebeutel, noch Teesocke und auch kein “Tee-Ei”. Er lässt seinen Tee frei im heißen Wasser schwimmen. So – sagen Teekenner- entfaltet sich das Aroma am besten. Ich bleibe beim Teebeutel. Teekrümel, die im Wasser herumschwimmen und im Hals stecken bleiben, sind nichts für mich.