Eisfreie Autoscheibe
Kaum ein Autofahrer ohne Garagenplatz ist bei den derzeitigen Temperaturen davor gefeit: jeden Tag treffen sich die Arbeitnehmer zum ritualisierten Eiskratzen am Morgen.

Autoscheibe ©flickr.com / Wolfgang Wildner
Doch das muss nicht sein. Ein Forscherteam des Fraunhofer Instituts in Braunschweig machte sich nun daran, eine eisfreie Autoscheibe zu entwickeln – und war erfolgreich. Nichtmal bei extremen Minusgraden bildet sich auf der Fläche Eis, und das ganz ohne integrierte Heizdrähte. Mit einer hauchdünnen Metallbeschichtung gelang es: sie führte dazu, dass die Abstrahlung der Wärme langsamer geschieht und die Scheibe damit langsamer auskühlt als die Umgebung. Dadurch nehmen nur die umliegenden Flächen Feuchtigkeit auf, die Scheibe bleibt also trocken – und ohne Wasser keine Eisbildung.
Unter der Leitung von Dr. Bernd Szyska entwickelten die Fraunhofer Forscher eine Technologie, um die hauchdünne Metallschichtung auf das Glas zu bringen und patentierten diese. Unter Vakuum wird in einer Beschichtungsanlage eine Metallplatte mit hochenergischen Impulsen beschossen. In dem Plasma lösen sich dabei einzelne Atome des Metalls und lagern sich auf dem Glas an. Heraus kommt eine etwa 140 Nanometer dünne Beschichtung eines Indium-Zinnoxides, welche damit etwa 500mal dünner als ein Menschenhaar ist.
Für die Anwendung als Autoglasscheibe muss das Glas jedoch noch gewölbt werden. Dies ist nur in einem technischen Prozess ab 600 Grad Celcius möglich. Diesen nennt man “Tempern“. Während das Glas plastisch verformt wird, schrumpft dabei auch die Schicht normalerweise. Um eine damit verbundene Rissbildung zu umgehen, entwickelten Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts eine Technologie, welche die Schicht stabil macht. Sie schrumpft nicht mehr und ist sogar härter als das Glas.
Da es sich allerdings um eine Metalloxidschicht handelt, entsteht in Verbindung mit dem Auto ein Faradeyscher Käfig, welche den Innenraum des Fahrzeugs abschirmt und damit die Funktion von Handys und Navigationssystemen beeinträchtigt. Die Entwicklung von verbesserten Antennensystemen zur Gegenwirkung sei laut Angaben des Instituts aber schon in Arbeit.


