Ich sehe es noch genau vor mir: Das Brett vom vielen Spielen schon ganz abgewetzt, die kleinen Plastikkegelchen in rot, gelb, grün und blau. Meine große Schwester schnappt sich die roten Figuren, ich die blauen. Wir stellen unsere Männchen in ihre Häuschen. Ich schicke Stoßgebete zum Himmel. Bitte, lieber Gott, lass mich nicht wieder verlieren. Wer als erstes eine sechs würfelt; das Spiel beginnt. Aber bloß nicht ärgern, weil: Mensch, ärger’ Dich nicht.
So heißt es, das wohl berühmteste deutsche Brettspiel des 20. Jahrhunderts. Dabei hätte sich der Erfinder Joseph Friedrich Schmidt sich diesen Siegeszug wohl zu Anfang nicht zu erträumen gewagt. Denn da wollte seine Idee niemand kaufen. Deswegen schickte Schmidt 3 000 Exemplare seines Spieles an verschiedene Lazarette im 1. Weltkrieg. Die Verwundeten spielten und spielten und brachten nach glücklicher Heimkehr das Brettspiel mit nach Hause.
Schmidt gründete in seiner Heimatstadt Berlin einen kleinen Spielverlag, den Schmidt-Spiele-Verlag, der heute unter anderem berühmte Spiele wie Kniffel vertreibt. Seit 1914 wurden schätzungsweise 70 Millionen “Mensch ärgere Dich nicht”-Spiele verkauft. Auch wenn das Spiel ein deutsches Original ist, spielt man “Mensch ärger Dich nicht” auf der ganzen Welt. In Frankreich heißt es “T’en fais pas”, in England “Ludo”, in den USA ärgert man sich unter dem Titel “Frustration und in Spanien heißt das Spiel “Parchis”.
Selbst unter Wasser wird “Mensch ärger’ Dich nicht” gespielt. So liegt der Unterwasser-Spielrekord bei 36 Stunden. Der “reguläre” Spielrekord liegt bisher bei 121 Stunden. Das lässt sich doch bei der nächsten Spielrunde sicher toppen, oder?