Es gibt wahrscheinlich für nichts anderes so viele rewenderische Synonyme, wie dafür jemanden als nicht ganz richtig im Kopf zu bezeichnen. Der spinnt, hat ‘ne Meise, überhaupt: Der hat ‘nen Vogel, der tickt nicht ganz sauber und hat außerdem ‘ne Schraube locker, oder wie ein Freund von mir es mal ganz knackig formulierte: Der hat ‘nen rostigen Nagel im Kopf.
Ein weiterer Klassiker ist: Der hat nicht alle Tassen im Schrank. Allerdings fällt die Verbindung zum Döskopp hier nicht so leicht, wie bei dem wesentlich imaginärerem “rostigen Nagel im Kopf”. Tassen im Schrank, was soll das?
Weit hergeholt klingt die Bezeichnung nur, wenn man die Tasse, die man nicht im Schrank hat auch als echte Tasse versteht und nicht bedenkt, dass das Wort “Tasse” in diesem Zusammenhang von etwas ganz anderem abstammt. Das Wort “Tasse” beschreibt in diesem Falle nicht das Trinkgefäß, sondern ist ein Verballhornung des jiddischen Wortes toshia, was soviel, wie Verstand, Klugheit oder Sinne bedeutet. Dann macht die Redwendung erst Sinn, also, äh, toshia! Die “richtige” Übersetzung wäre somit “Er hat doch nicht alles Sinne beisammen”.
Das Wort Tasse taucht auch in anderen Redewendungen auf, und immer hat diese auch wieder etwas mit dem Verstand zu tun. Eine trübe Tasse ist beispielsweise jemand, der nicht besonders helle im Kopf, langweilig oder nicht besonders schnell ist. Auch hier kommt die “Tasse” wieder vom jiddischen toshia, dem Verstand.
Das Wort toshia ist nicht das einzige Wort, das in seiner Umwandlung zur “Tasse” vom jiddischen ins hochdeutsche geschwappt ist. Es gibt viele wunderbare jiddische Ausdrücke und Bezeichnungen, die aus dem heutigen Wortschatz nicht mehr wegzudenken sind. Worte, wie meschugge, Tacheles, Tohuwabohu, Stuss, malochen, Chuzpe, schmusen, koscher und Mischpoke sind allesamt aus dem jiddischen übernommen.
Soviel zur Redewendung mit den Tassen. Jetzt, wo wir Tacheles geredet haben und wissen, dass Leute mit keinen Tassen im Schrank manchmal meschugge sind und deswegen vielleicht Stuss reden, verabschiede ich mich mit Chuzpe von der virtuellen Leser-Mischpoke, höre auf zu malochen und werde den Rest des Abends schmusen.
P.S.: Fall es Euch nicht ganz koscher vorkommen sollte, dass immer davon die Rede war, dass “DER nicht alle Tassen im Schrank” hat: Liebe Jungs, es gibt auch viele Ladies mit ‘nem Sprung in der Schüssel, ist doch klar:-)
Mann, der hat ja ganz schön was aufm Kerbholz! Jemand, der was auf dem Kerbholz hat, ist im Umgangsprachlichen meistens jemand der etwas Unrechtes oder Unerlaubtes – vielleicht etwas Kriminelles- begangen hat. Manchmal beschreibt man damit auch eine Person, die – eine weitere Redewendung- “es faustdick hinter den Ohren” hat, also raffiniert ist, und sich mit dieser Methode möglicherweise auf illegalem Wege bestimmte Dinge oder Möglichkeiten verschaffen hat.
Dabei existierte das Kerbholz im Mittelalter tatsächlich. Das war nämlich so:
Nehmen wir einmal an, ich wäre eine…, nein, da geht es ja schon los. Nehmen wir einmal an, ich wäre als Mann im Mittelalter auf die Welt gekommen. Es ist Herbst und ich suche Arbeit. Ganz in der Nähe meines Wohnortes gibt es einen Gutshof, wo ein Lehnsherr Helfer für die Apfelernte sucht. Ich bekomme dort Arbeit und helfe bei der Ernte.
Bevor ich jedoch den ersten Apfel geerntet habe, nimmt der Lehnsherr ein Stück Holz. Er spaltet das Holz in zwei Teile. Die eine Holzhälfte bekomme ich, die andere behält der Lehnsherr. Für jeden vollen Apfelkorb, den ich abliefere, macht der Lehnsherr eine Kerbe ins Holz. Dabei hält er die beiden gespalteten Holzstücke zusammen und kerbt die beiden Spalten mit dem Messer ein. Je mehr Kerben ich auf dem Holz habe, desto mehr Lohn bekomme ich später.
Das Kerbholz diente damals auch dazu, Schulden zu markieren. Hätte ich bei meinem Lehnsherren Schulden abarbeiten müssen, so hätte das Kerbholz beispielsweise als Beweisdienen können – schließlich konnte weder ich noch meine Lehnsherr dem Kerbholz ohne die andere Hälfte eine weitere Kerbe hinzufügen! Somit diente das Kerbholz in Zeiten, wo die Menschen noch nicht lesen und schreiben konnten, als wichtiges Informationsmittel.
Der Zusammenhang mit Schulden dient heute noch zur Erklärung der Redewendung, doch kann man davon ausgehen, dass sie vor allem im ironischen Sinne benutzt wird. Denn etwas auf dem Kerbholz zu haben, war nicht immer etwas Negatives.
Irgendwann, so mit 21 Jahren fing es bei mir an. Sicherlich war es ein Samstag oder Sonntag morgen. Ich öffnete meine Augen, und da war er, dieser stechende Schmerz, der mir durch den Kopf schoss. Mir wurde schlecht, ich schleppte mich aus dem Bett, alles tat irgendwie weh. Auf allen vieren kroch ich ein wenig theatralisch aus meinem Zimmer. Felix, mein Mitbewohner, der frisch und ausgeschlafen an mir vorbeiging, begrüßte mich mit den Worten: “Na, haste ‘nen Kater?” Ja, hatte ich. Damals konnte und wollte ich nur noch zurück ins Bett kriechen, doch heute will ich darüber schreiben, woher dieser Ausdruck eigentlich stammt.
Also, erst mal: Mit dem Kater, also der männlichen Katze, hat diese berühmte Redensart wenig gemein. Vielmehr stammt der Ausdruck von “einen Katarrh haben”, eine Entschuldigung, die sich Leipziger Studierende im 19. Jahrhundert für die Konsequenzen der durchzechten Nacht, ausgedacht hatten. Der Katarrh sollte hier eine Erkältung oder Schleimhautentzündung beschreiben, ein Befinden, das – so erhofften sich die Leipziger Studenten sicherlich- nicht ganz so gesellschaftlich sanktioniert wurde, wie zu vielen Biere.
Dass ausgerechnet Katzen für diese Bezeichnung herhalten müssen, ist nicht besonders nett. Gerade Katzen verschmähen, im Gegensatz zu Hamstern, Hunden und Hühner, sogar den winzigsten Tropfen in Milch oder Wasser und gehören damit zu den rigorosen Abstinenzlern im Tierreich. Ähnlich verhält es sich mit dem Specht, der – zum “Schluckspecht” geworden- ungerechterweise mit Alkoholgenuss in Verbindung gebracht wird.
Zum Abschluss vielleicht noch einige Tipps, die den moralischen und körperlichen “Katarrh” lindern können:
Viel schlafen und essen (salzige Sachen, um den Elektrolythaushalt wieder ausgleichen), Aspirin oder Ibuprofen gegen die Kopfschmerzen, viel Mineralwasser trinken und einen Spaziergang an der frischen Luft machen.
Am besten jedoch bleibt man unter 1,0 Promille, dann gibt’s erst gar keinen Kater!