Wer erfand die Brille?

Letzte Woche habe ich es endlich getan, zum allerersten Mal. Seit Jahren schleppe ich das Rezept schon mit mir herum, ohne es einzulösen. Aber plötzlich lief ich an diesem Traumgestell vorbei. Ich rannte in den Laden, kramte in meiner Tasche nach dem Rezept und hielt es der netten Dame mit randloser Brille unter die Nase. “Da, ich brauch eine Brille!”

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Über ihren Brillenrand hinweg schaut mich die Optikerin amüsiert an. “Also, ein Rezept, ja, das brauchen sie schon lang nicht mehr. Schließlich übernehmen die Kassen die Kosten für Brillen nicht mehr.” “Ist mir egal, ich will das Gestell da im Schaufenster und kein anderes”, antwortete ich schnell und zeigte wie eine Vierjährige hysterisch auf die Brille, MEINE Brille, die in der Auslage an einer seltsamen Dekoration baumelte.

Und jetzt sitze ich mit meiner neuen Brille vor meinem Laptop und frage mich: Wer ist eigentlich verdammt noch mal auf die Idee gekommen mit Gestellen aus geschliffenen Gläsern schwachen Augen auf die Sprünge zu helfen?

Es waren niccht die Schweizer, aber fast: Die erste Sehilfe wurde in der Toskana/Italien im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts erfunden. Doch sollen bereits, wie so oft, auch die alten Griechen ihre Finger im Spiel gehabt haben: Archimedes trug einen am Kopf befestigten Kristall zur Verbesserung der Sehkraft. Viele Nachahmer fand diese Konstruktion jedoch nicht.
Die ersten Brillenabbildungen finden sich deswegen auch im Italien des 14. Jahrhunderts. Nördlich der Alpen wird die Brille durch den sogenannten Brillenapostel Conrad von Soest aus Bad Wildungen bekannt. In Bad Wildungen findet sich deswegen die Brille auch im Stadtwappen wider. Die ersten Brillen hatten noch keine Bügel und bestanden aus konvex- geschliffenen Linsen, die nur als Lesehilfe dienten und für kurzsichtige Menschen nicht geeignet waren.

Die bis heute bekannte Ohren- oder Schläfenbrille kennt man erst aus dem 19. Jahrhundert. Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte man dann durch die Entdeckung des Kunststoffes immer neuere und aktuellere Fassungen. Modedesigner wie Yves-Saint Laurent machten die Brille zum Modeassecoire – heute sind Brillenkollektionen von Modedesignern völlig normal, und zum Glück wird das Brille tragen nicht mehr mit den Stereotypen “hässlich, aber schlau” assoziiert.

Deswegen hab ich ja jetzt auch so ein Ding: Eine Brille. Und wisst Ihr was? Seitdem kann ich alles viel besser erkennen! Aber was viel wichtiger ist: Ich seh einfach verdammt cool aus damit.

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